Kommentare (2)
Ein Wort,
das aus der lebenden Alltagssprache verschwunden ist, in Form des Kommis Weinberl in "Einen Jux will er sich machen" wenigstens literarisch erhalten geblieben ist.
albertusmagnus 06.12.2009
Hübsch, aber
es war ein gesamtdeutsches Fremdwort, das der Kampagne gegen die unpatriotische Verwendung von Wörtern aus der Sprache des Feindes im 1. Weltkrieg zum Opfer fiel. Berliner Tageblatt v. 04.03.1907, "Aus der Gesellschaft":
»Was hat denn der arme Junge getan? - Die Dame konnte sich nicht vorstellen, daß man einen Herrn von Soundso "K o m m i s" werden läßt, wenn er nicht "etwas ausgefressen" hat, das ihm die allein standesgemäßen staatlichen Laufbahnen verschließt.« Vossische Zeitung v. 02.03.1916:
»Bei den Kaufleuten findet man nicht bloß wie früher Verkäuferinnen, sondern in Büros ist der K o m m i s vielfach durch Schreibfräulein ersetzt worden, die mit Hingebung und Geschick die Pflichten des männlichen Personals erledigen, nicht selten zu größerer Befriedigung des Prinzipals.«
Oder im "Felix Krull" von Thomas Mann: »Das Parkettpublikum, das uns umgab, setzte sich aus Bürgern und Bürgersfrauen, K o m m i s , einjährig jungen Leuten und kleinen Blusenmädchen zusammen. [...] Was die K o m m i s und Einjährigen betraf, so stand alles in ihren aufwärts gewandten Gesichtern weit offen, die Augen, die Nasenlöcher und die Münder. Und dabei lächelten sie. « Bei Kurt Tucholsky, Klabund, Hermann Sudermann findet sich das Wort auch - oder z.B. bei* Georg Lukács, "Geschichte und Klassenbewußtsein", Berlin 1923, S. 506:
» "Wir müssen von Kommis lernen", sagt Lenin« Jürgen Haberman, "Theorie des kommunikativen Handelns - Band 1. Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung", Frankfurt a.M. 1981: "..so beruht die hierarchische Abhängigkeit des Arbeiters, K o m m i s, technischen Angestellten, akademischen Institutsassistenten und - des staatlichen Beamten und Soldaten ganz gleichmäßig darauf, daß..."
(S. 301)
Koschutnig 07.12.2009