verblümeln


[ fa'bleɐmɘln ]

beschönigen, etwas groß ankündigen und dann nicht einhalten, sich beim Budget verrechnen; jemanden für dumm verkaufen, aufs Glatteis führen


Wortart: Verb
Gebrauch: Umgangssprache
Erstellt von: Pernhard
Erstellt am: 04.12.2020
Region: Völkermarkt (Kärnten)
Bekanntheit: 0%  
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Kommentare (6)


Laut "Wort des Jahres"-Jury ein "ironisches Wortspiel mit dem Namen des derzeitigen Finanzministers Gernot Blümel in der Bedeutung 'beschönigen', 'idealisieren', 'für dumm verkaufen', aber auch 'beim Budget verrechnen' ". Verblümeln kam in der Wahl aufs Stockerl, nämlich auf Platz 3 hinter Babyelefant und Corona.
Pernhard 04.12.2020


Als „verblümelt“ bezeichnet stv. SPÖ-Klubchef Jörg Leichtfried die Angelegenheit rund um die Hopsi-Sparbücher. „Blümel kann es einfach nicht. Wie beim Budget pfuscht der Finanzminister hier herum, niemand kennt sich aus..."
source: APA (Wien (OTS/SK)

Pernhard 04.12.2020


Groß angekündigt:
Eigentlich sollte es nur ein Formalakt sein, doch er hat den Corona-Hilfe-Antrag bei der EU-Kommission verblümelt.
source: KONTRAST.at

Pernhard 04.12.2020


Bair.-österr. ist das Wort allerdings weit älter als Minister Blümel!
1813 schon wird „verblümeln“ so in einem bayr. Sprachbuch erklärt:
uneigentlich so viel als beschönigen, einer schlechten Sache einen guten Anstrich geben. Red. Er hat sein Schelmstück verblümelt.
source: Pöhlmann, Praktische Anweisung für Schullehrer, welche ihren Zöglingen zu einer gründlicheren Kenntniß ihrer Muttersprache verhelfen ... wollen, Erlangen 1813
Von noch viel Älterem und, da von Abraham a Santa Clara, noch dazu aus Österreich erfährt man in Trübners dt. Wb. unter „verblümen“:
Österr. gilt statt verblümen die Verkl. verblümeln, wienerisch fableameln: "Was ist der Teufel? Er ist ein Gärtner und verblümelt alle seine Schelmerei" (Anm. 23: Abraham a Santa Clara, Schriften 4 Strigl )
source: Trübners Deutsches Wb. hg. W. Mitzka , Bd. 7, T – V (Berlin 1956)

Lanquart 06.12.2020


Hans Strigl, der Herausgeber der im Auftrage des Stadtrates der k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien 1904 erschienenen
„Werke in Auslese“ von Abraham a Santa Clara (1644-1709) sagt in der Einleitung zu Bd. 1 über den Prediger:


[quote: Abraham a Santa Clara , "Judas der Erzschelm" (1686–1695) , Sämmtliche Werke Band 5, Lindau 1856: https://tinyurl.com/y47b4rfk] Gar viel Beichtkinder entschuldigen sich zur Vermäntlung ihrer Bosheit. Aber David hat nichts, gar nichts dergleichen vorgewendet, sondern rund heraus bekannt: peccavi, er habe gesündiget, die Ehe gebrochen, den Todtschlag begangen, nichts darbey verblümelt, nichts verdeckt, nichts vermäntelt, nichts vertuschet
source: Er redete nur gern die Wahrheit, es dünkte diesem redlichen Gemüte unmöglich zu sein, daß er etwas solle verblümeln, verdecken, verhüllen, vermanteln, sondern die bloße Wahrheit hatte völlig bei ihm Zung und Herz zusammengeknüpft [/quote
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Lanquart 06.12.2020


Besser?

Hans Strigl, der Herausgeber der im Auftrage des Stadtrates der k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien 1904 erschienenen, „Werke in Auslese“ von Abraham a Santa Clara (1644-1709) sagt über den Prediger:
Er redete nur gern die Wahrheit, es dünkte diesem redlichen Gemüte unmöglich zu sein, daß er etwas solle verblümeln, verdecken, verhüllen, vermanteln, sondern die bloße Wahrheit hatte völlig bei ihm Zung und Herz zusammengeknüpft
source: Abraham a Santa Clara, Werke 1, Wien 1904




Gar viel Beichtkinder entschuldigen sich zur Vermäntlung ihrer Bosheit. Aber David hat nichts, gar nichts dergleichen vorgewendet, sondern rund heraus bekannt: peccavi, er habe gesündiget, die Ehe gebrochen, den Todtschlag begangen, nichts darbey verblümelt, nichts verdeckt, nichts vermäntelt, nichts vertuschet
source: Abraham a Santa Clara, „Judas der Erzschelm“, Werke 5
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Lanquart 06.12.2020





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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
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