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Legende
Ein Aberglaube besagt, dass Ohrenschlüpfer in die Ohren kriechen können, mit ihren Schwanzzangen das Trommelfell zerschneiden und so ins Gehirn gelangen können. Natürlich völliger Unsinn.
System1 10.10.2005
Sprach Goethe österreichisch?
Aus einem "Brief an Bettinen" (=Bettina von Arnim): »...der Abend beim Souper, wo er [der Herzog] dem
Ohrenschlüpfer den Pfirsich hinhielt, dass er sich darin verkriechen sollte, und wie jemand anders das Tierchen vom Tisch herunterwarf, um es tot zu treten; er wendete sich zu mir und sagte: "So böse sind Sie nicht, das hätten Sie nicht getan!" – Ich nahm mich zusammen in dieser kitzligen Affäre und sagte: "
Ohrenschlüpfer soll man bei einem Fürsten nicht leiden"; er fragte: "Hat man auch die zu meiden, die es hinter den Ohren haben, so muss ich mich vor Ihnen hüten" « (Bettina von Arnim: "Goethes Briefwechsel mit einem Kinde", 1835 ) Im Hinblick auf die angegebene Aussprache sollte der Eintrag "
Ohrenschliefer" lauten. Zahlreiche Beispiele existieren für eine solche "offizielle" Schreibung.Mit dem "Ohrenschlüpfer" war Goethe in Deutschlad ja nicht allein:*
Der "Herzoglich-Zweybrückische geistliche Rath" Wolfgang F. Bermiller erteilt 1791 in der ZS „Der kluge Landwirth“ seinen Rat, die „
Ohrenschlüpfer (Ohrenhöhler)“ »wie die Ameisen in Gläsern, auch Ochsen- Kühehörnern, und Schaf- und Hammelsklauen, die man an die Bäume hängt, und mit süßem Wasser füllt« zu fangen.
* Bei Joseph v. Görres, dem berühmten Koblenzer Publizisten des Vormärz, findet er sich: »die Schnirkelschnecke steigt bedächtig auf und nieder, und
Ohrenschlüpfer und Kelleresel und Schaben sitzen in allen Sprüngen in der Rinde. « (Die Wallfahrt nach Trier , 1845) * und ein Jh. später bei Hans Carossa: »… verhärtete dagegen mein Herz gegen hässliche dunkle Geburten, wie Maulwurfsgrillen,
Ohrenschlüpfer, Tausendfüßler,.. « („Eine Kindheit“, 1944)
Koschutnig 23.06.2013