Purgstall an der Erlauf ist eine
Marktgemeinde mit 5.284 Einwohnern im
Bezirk Scheibbs in
Niederösterreich.
Geografie
Purgstall an der Erlauf liegt im
Mostviertel in der niederösterreichischen
Eisenwurzen und bezeichnet sich selbst als das Tor zum
Ötscherland. Die
Marktgemeinde liegt ca. 8 km nördlich der Bezirkshauptstadt
Scheibbs direkt an der B 25 und der Bahnstrecke
Pöchlarn --
Kienberg -
Gaming (
Erlauftalbahn) und gehört zum niederösterreichischen Teil der
Eisenwurzen.Die Große Erlauf durchschneidet das Ortsgebiet und hat sich tief in die Konglomeratfelsen eingegraben. Nördlich des Schlosses Purgstall vereinigt sich die Feichsen mit der Erlauf, weitere Zuflüsse bilden der Zehnbach, Schlarassingbach, Schluchtenbach und Schaubach. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 55,88 Quadratkilometer. 21,21 Prozent der Fläche sind bewaldet. Purgstall besteht aus folgenden
Katastralgemeinden:(22123) Petzelsdorf, (22131) Schauboden, (22134) Sölling, (22108) Feichsen, (22115) Hochriess, (22148) Zehnbach, (22135) Söllingerwald, (22128) Rogatsboden,(22125) PurgstallFolgende sind keine Katastralgemeinden, sondern nur Rotten bzw. Ortsteile:Ameishaufen, Edelbach bei Purgstall, Erb, Föhrenhain, Gaisberg, Galtbrunn, Gimpering, Höfl, Haag, Harmersdorf, Heidegrund, Koth, Kroißenberg, Mayerhof, Nottendorf, Pögling, Reichersau, Öd bei Purgstall, Stock, Unternberg, Weigstatt, Weinberg Nachbargemeinden:
Geschichte
Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz
Noricum. Im österreichischen Kernland Niederösterreich liegend teilte der Ort die wechselvolle
Geschichte Österreichs. Eine römerzeitliche Besiedelung oberhalb der Mündung der Feichsen in die Erlauf ist belegt. Die wichtigsten Momente der Entwicklung des Marktes (Manche ältere Jahreszahlen können bloß als annähernd gelten):
* Vor 900 n. Chr.: Bis zum Jahre 900 n. Chr. existieren keinerlei zuverlässige Nachrichten.
* um 900 n. Chr.: Besiedlung des Gebietes durch Bayern. Die Herren von Purchstale erbauen die Feste; einige Landwirte siedeln sich an teils am linken, teils am rechten Ufer der Erlauf.
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1210: Die Herren von Eisenbeutel und Heußler
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1220: Erbauung der Schlosskapelle
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1260: Purgstall Pfarrvikariat
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1300: erhält eine Schule
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1318: einen Kaplan
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1360: wird Markt
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1370: Befestigungsgraben
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1375: Die Walseer
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1380: Aus dem Bauerndorfe wird ein blühender Industrieort: Erbauung der Ringmauer und zweier Markttore mit Türmen
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1390: Einbeziehung der Wyden in den Markt
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1400: Freiheitsbrief
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1410: Landgericht
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1430: Erbauung der Pfarrkirche
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1448: Aufnahme des Marktes in die Widmung
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1492: Die Aursperge
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1550: die lutherische Bewegung fasst Wurzel
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1603: Purgstall erhält ein Wappen
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1683: tapfere Verteidigung gegen die Türken
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1773: Privilegien der Widmung enden
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1787: Ende der Marktgerichtsbarkeit
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1800,
1805 und
1809: Purgstall von den Franzosen überflutet
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1850: Abbruch der Markttore, Purgstall wird Postort
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1859: Die Grafen Schaffgotsch;
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1877: Eisenbahnstation
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1893: Telegraph
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1899: Elektrizitätswerk
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1902: Telephon
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1910: Abbruch der südlichen Ringmauer und Zuschüttung des Befestigungsgrabens''Quelle: Coelestin Schachinger - Die Geschichte des Marktes Purgstall an der Erlauf - erschienen 1913''
Wappen
Das Recht ein Wappen zu führen hat der Markt seit 21. August 1603. Verliehen wurde es von Kaiser Rudolf II. aufgrund der Fürsprache des Herrschaftsbesitzers in Purgstall Freiherr Weikard von
Auersperg. Begründet wurde dies mit den Verdiensten Purgstalls um den
Provianthandel mit Eisenerz und seinem Wohlverhalten beim
Bauernaufstand 1597.Die Beschreibung des Wappens im Wappenbrief lautet:''„Eine braune, nagelfarb rundierte Feldung, in welcher ein ganz für sich aufgezogener Engel mit offenen, Weiß- oder Silber- und braunfarb schattierten Flügeln, auf dem Haupt ein lang, goldldfarb fliegendes Haar mit einem blau und lazurfarb zu sich gegürteten ausgeschinttenen Rock gekleidet, der weiß oder silberfarb schattiert, um den Hals oder die Brust ein kreideweiß gelb oder goldfarb Stola habend, mit beiden Händen vor ihm einen rothen oder rubinfarbenen Schild haltend, in welchem ein auf einem unten grün dreipüchelten berg oder Grund von Quaderstuck erbaut rundierter Turm, oder offene Porten erscheint, unter welcher ein halb anugezogener gelb oder goldfarb Schloßfallgatter in der Länge mit dreien mit weißen Spitzen, zwerchs aber zweien Sprossen oder Balken, halb aufgezogen, oben an jeder der Seiten des Turms ein Rundell darauf ein weiß- oder silberfarbenes Fähnlein inmitten ober des Hauptturms anstatt eines Knopfes oder Fähnlein ein halber mit der Sehne über sich, gelb oder goldfarbener Stahl stehent, wie auch nur solch beschriebene Wappen oder Markt- Sigill ein Zirkel rund geführt mit Silber gezierter Rosmarin- Kranz, aus seinen vier mittleren Orten Rosen daran, obern und untern roth oder rubin, beiden mittlere blau oder lazurfarb sind, die dann jeder derselben Mit aufwärts fliegenden rothen Enden geziert in solchem Kranz sich sehen lassen.“''Quelle: Schachinger, Cölestin: - Geschichte des Marktes Purgstall an der Erlauf in Niederösterreich - Im Selbstverlage des Verfassers – Druck: Elbemühl Ges. m. b. H., Wien, 1913 2. unveränderte Auflage herausgegeben von der Freiwilligen Feuerwehr Purgstall, 1973
Einwohnerentwicklung
Purgstall ist die bevölkerungsreichste Gemeinde im Bezirk Scheibbs.Nach dem Ergebnis der Volkszählung 2001 gab es 5211 Einwohner. 1991 hatte die Marktgemeinde 5196 Einwohner, 1981 5231 und im Jahr 1971 4854 Einwohner.
Politik
Bürgermeister der Marktgemeinde ist Franz Ressl, Vizebürgermeisterin Marianne Fallmann, Amtsleiter Franz Haugensteiner.Im Marktgemeinderat gibt es bei insgesamt 29 Sitzen folgende Mandatsverteilung (Gemeinderatswahlen 2005):
ÖVP 19,
SPÖ 7, Die Grünen Purgstall 3, andere keine Sitze.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Das Bücherdorf
Das
Bücherdorf Purgstall entstand im Jahre 2000 nach dem Vorbild des Bücherdorfes in Hay-on-Wye. Die Idee des Bücherdorfes ist es, antiquarische Bücher zu sammeln und zu verkaufen und mit den Buchläden das Ortszentrum zu beleben. In Purgstall werden derzeit drei Buchläden betrieben, deren Bestände zum Teil in einer Datenbank erfasst wurden und den Interessierten über das Internet zugänglich sind.
Die Pfarrkirche
Die röm. kath. Pfarrkirche Purgstall ist dem Hl. Petrus geweiht. Der erste Bau wurde im
14. Jahrhundert errichtet, davon sind heute noch der untere Teil des Turmes und das jetzige nördliche Seitenportal erhalten. Am Anfang des
15. Jahrhunderts wurde die heute noch bestehende dreischiffige spätgotischen Hallenkirche erbaut. Der Chorschluss dieser spätgotischen Kirche und die arkadenartigen Emporen wurden in den Jahren 1712-1719 neu errichtet. Aus dem Jahre 1711 liegt eine Rechnung für Kirchenrisse vor, die
Jakob Prandtauer nach Purgstall liefern ließ. Es darf daher angenommen werden, dass der bekannte Baumeister des Barock an der Kirche mitgeplant hat. 1871, 1980, 1985 und zuletzt 1996 erfolgten Renovierungsarbeiten.Das Innere der Kirche ist im wesentlichen ein dreischiffiger Raum aus der
Spätgotik dessen Decke mit einem
Netzrippengewölbe überzogen ist. Die Ausstattung stammt zum Unterschied zum spätgotischen Raum aus der
Barockzeit.Dabei sind besonders hervorzuheben:
*Der Hochaltar mit seiner reichen Goldfassung
*Das Altarbild des Malers Karl Frister (1742-1783) zeigt den Kirchenpatron Petrus
*Die Kanzel mit der Darstellung der vier Evangelisten. Der Schalldeckel der Kanzel zeigt Jesus Christus als Guten Hirten mit fünf schwebenden Engeln
*Die Orgel mit ihrem barocken Gehäuse mit ihren zwanzig klingenden Registern
*Das
Tumbagrab des Volkhard und der Elisabeth von Auersperg ''Quelle: Kirchenführer der Pfarre Purgstall''
Das Hochgericht
Am unteren Ende des Marktes, neben dem Gasthof Steinmetz, außerhalb des nicht mehr bestehenden Markttores steht eine Kapelle, das so genannte Marterkreuz. In unmittelbarer Nähe, etwa in dem Dreieck das die Pöchlarner- und die Bahnhofstraße bilden, befand sich bis ca. 1700 die Hinrichtungsstätte des Landgerichtes Altschloss Purgstall. Eine Tafel in der Kapelle nennt uns den Erbauer: „Zur schuldigen Dankbarkeit der allerheiligsten Dreifaltigkeit und übergebenedeiten Himmelskönigin Maria habe ich Johann Franz Lang Eisen- und Provianthändler allhier samt meiner Ehewirtin Eva Rosina die „Kreuz Kapelle“ verlobt und bauen lassen 1695 12. Juli“Franz Lang war auch Marktrichter (das entspricht in etwa einem Bürgermeister), die Kapelle steht am Ende seines ehemaligen Gartens.
Der Wehrturm
Um 1380 erwirkten die Walseer von Landesherrn Albrecht III die Erlaubnis, den Markt von Purgstall miteiner Ringmauer umgeben zu dürfen. Um 1850 wurde der erste der 5 Türme bei Abriss der Markttore demoliert.Der letzte verbliebene Wehrturm steht heute beim „Feichsengassl“. Er, und die Wehrmauer in diesem „Gassl“ neben der Feichsen stehen unter Denkmalschutz. Der Turm wurde mittlerweile renoviert und wird für Veranstaltungen verwendet